US Wahl: Joe Biden wird neuer Präsident der USA

US Wahl: Joe Biden wird neuer Präsident der USA

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Wichtige Fakten

  • Bürgerlicher Name: Joseph Robinette Biden Jr. 
  • Geboren: 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania 
  • Alter: 77 Jahre
  • Ehepartnerin: Jill Biden (seit 1977) 
  • Kinder: Hunter Biden, Beau Biden, Naomi Biden (aus erster Ehe mit Neilia Hunter) Ashley Biden (aus Ehe mit Jill Biden)
  • Partei: Demokratische Partei 
  • War unter Barack Obama 47. Vizepräsident der USA (von 2009-2017) 

Der Kampf um das Amt des Präsidenten blieb bis zum Ende spannend. Trump und Biden lieferten sich ein Kopf an Kopf Rennen. Neuer Präsident der USA wird Joe Biden. 

Mit aktuell 290 Wahlmännern (Stand 7.11.2020 18:15 Uhr) konnte er seinen republikanischen Kontrahenten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl vorerst schlagen. Biden stellt sogar einen neuen Rekord auf – er erhielt mehr als 74 Millionen absolute Stimmen und bricht somit Obamas Rekord von den Wahlen 2008, bei denen dieser 69, 5 Millionen absolute Stimmen gewann.  
Die Demokratin Kamala Harris ist Bidens Vize-Präsidentin. 

Eine Probe für Nerven und Geduld: Die Auszählung der Stimmzettel dauert zur Stunde immer noch an. Nachdem Biden zunächst einen großen Vorsprung an Stimmen hatte, holte Trump schnell auf. Zwischenzeitlich führte Biden lediglich mit sieben Stimmen mehr. Mit dem Gewinn der Stimmen aus Wisconsin und Michigan konnte er wieder einen größeren Abstand zwischen sich und den Republikaner bringen. Am Ende brachten ihm die Stimmen aus Nevada und Arizona die Mehrheit von 270 Stimmen und somit auch den Sieg im Rennen um den Präsidentschaftstitel.  
Trump gibt sich mit dem Ergebnis der Wahl nicht zufrieden. Er erklärte sich bereits vor einigen Tagen zum Sieger, sprach von Wahlbetrug und will gegen mehrere Bundesstaaten klagen. In Wisconsin verlangt er Neuzählungen. Dort fiel das Ergebnis sehr knapp aus: Biden gewann mit einem Vorsprung von 0,7 Prozent. 

EIN NEUER PRÄSIDENT - EINE NEUE RICHTUNG? 

Eins steht fest: Biden wird als Präsident einen anderen politischen Kurs einschlagen als sein Vorgänger Trump. In politischen Fragen, die zum Beispiel die Wirtschaft, die Umwelt, die internationalen Beziehungen und die Bekämpfung der Corona-Pandemie angehen, unterscheiden sich die Ansätze des Demokraten von denen des amtierenden Präsidenten Trump. 

In welche Richtung werden die USA sich unter Bidens Regierung entwickeln und was bedeutet der Regierungswechsel für Europa und Deutschland? 

Joe Biden lebt mit seiner Ehefrau Jill Biden in der Stadt Wilmington, die im US-Bundesstaat Delaware liegt. Er ist mehrfacher Vater und Großvater. Zwei Söhne und eine Tochter gingen aus erster Ehe mit seiner High-School-Liebe Neilia Hunter hervor und eine Tochter aus seiner jetzigen Ehe mit Jill Biden.  Harte Schicksalsschläge für Joe Biden: Seine erste Frau Neilia Hunter und Tochter Naomi kamen am 18. Dezember 1972 bei einem Verkehrsunfall ums Leben und Sohn Beau starb am 30. Mai 2015 an einem Gehirntumor. 

Biden hat insgesamt sieben Enkel. 

Der Demokrat studierte Politikwissenschaft und Geschichte an der "University of Delaware" und erhielt 1968 seinen Juris Doctor am "College of Law" der Syracuse University  (US-Bundesstaat New York). Ab 1969 arbeitete er als Anwalt in Wilmington und lehrte ab 1991 Verfassungsrecht an der "Widener University School of Law".

Biden hat bereits eine lange politische Laufbahn hinter sich. Als Vertreter des Bundesstaates Delaware gehörte er 36 Jahre (von 1973 bis 2009) lang dem Senat der Vereinigten Staaten an. Dort hatte er zunächst den Vorsitz des Rechtsausschusses und danach den des Auswärtigen Ausschusses. Die diesjährige Kandidatur für das Amt des Präsidenten war nicht seine Erste. Biden ließ sich schon in den Jahren 1998 und 2008 zur Wahl aufstellen, stieg aber in beiden Wahlen vorzeitig aus. Von 2009 bis 2017 war er Vize-Präsident unter Barack Obama. 

In seiner bisherigen Zeit als Politiker setzte der Demokrat sich unter anderem für eine Einschränkung des Waffenbesitzes, für eine Ausweitung des Frauenrechts, für eine Anti-Drogenpolitik und für den Kampf gegen Terrorismus und Massenvernichtungswaffen ein.  Er ist Unterstützer von Obamas Gesundheitsreform, die 2010 verabschiedet wurde und mehreren Millionen Amerikanern eine gesetzliche Krankenversicherung ermöglichte. 2012 sprach Biden sich für das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehen in den USA aus und sorgte damit landesweit für Schlagzeilen. 

Die zentralen Ziele, die Biden als Präsident verfolgen möchte:

Biden möchte Millionen neue gutbezahlte Arbeitsplätze schaffen und den Mindestlohn auf 15 US-Dollar die Stunde erhöhen – das wäre doppelt so viel, wie bisher. Momentan liegt der Mindestlohn in den USA bei 7,25 US-Dollar die Stunde. Außerdem sollen freundlichere Arbeitsbedingungen für arbeitende Familien geschaffen werden und mehr Chancengleichheit im Job und bei der Jobsuche garantiert werden.
 

Das Virus soll in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft unter Kontrolle gebracht werden. Dabei soll das Allgemeinwohl im Fokus stehen und eine Rechenschaftspflicht der Regierung gelten. Biden möchte zudem kostenfreie Corona-Tests für alle einführen.

Biden unterstütze bereits Obamas Gesundheitsreform von 2010 und setzt sich weiter für eine verbesserte Gesundheitsversorgung ein, die qualitativ gut ist und gleichzeitig bezahlbar für alle ist.

Am 4. November steigen die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Das leitete Trump in die Wege. Er drohte öfters damit auch die NATO zu verlassen. Biden möchte der NATO und dem Pariser Klimaabkommen treu bleiben. Ins Pariser Klimaabkommen müsste er nach dem Ausstieg der USA am 4. November erneut eintreten. Insgesamt plant Biden die internationalen Beziehungen wieder zu festigen, die durch Trumps Präsidentschaft ins Wackeln gerieten.
 

Auswirkungen auf Europa und Deutschland

Laut Professor Werner Weidenfeld, dem ehemaligen Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, wird die Kommunikation und Kooperation zwischen den USA und Europa mit Biden als Präsident angenehmer, als es mit Trump der Fall war.


Da Biden die internationalen Beziehungen wieder stärken möchte, müssen auch Deutschland und Europa ihre Weltpolitik aktiver gestalten, so Weidenfeld:


In Bezug auf eine weltweite Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Corona-Krise sieht Weidenfeld mit Biden gute Chancen:


Erstellt am 07.11.2020

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