Neckarwelle - Riversurfen in Stuttgart

Neckarwelle - Riversurfen in Stuttgart

In München leben Surfer bereits ihren Traum: Im Eisbach können sie sich täglich in die Wellen stürzen. Nun soll in Stuttgart auf dem Neckar auch eine surfbare Flusswelle nach Münchner Vorbild gebaut werden.
"Surfen mitten in Stuttgart"? Das ist keine Utopie, wenn es nach einigen Stuttgarter Surffanatikern geht. So verfolgt der Verein Neckarwelle e.V. seit der Gründung ihrer Facebookseite im Juli 2015 ein gemeinsames Ziel: die Schaffung einer surfbaren Flusswelle mitten in Stuttgart. Unter dem Motto "Wir können alles. Auch Surfen." möchten die acht Gründer Stuttgart zum neuen Surfhotspot erklären. 

 

Das Projekt

Abseits vom Schiffsverkehrs des Neckars soll zwischen Inselbad und Hallenbad in Untertürkheim,
auf Höhe des Restaurants Cassiopeia die Welle entstehen. Der Standort profitiert sowohl von einer
sehr guten Verkehrsanbindung als auch von der bestehenden Infrastruktur. Durch Einsetzen eines
ausgeklügelten Wellensystems in das Flussbett soll das Surfen mitten in Stuttgart Wirklichkeit werden.
Die Höhenverstellbare Einrichtung reagiert auf die Abflussmenge des Kraftwerks flussaufwärts und
erzeugt sogar bei Niedrigwasser eine surfbare Welle im Neckar. Außerdem kann dadurch die Wellenform
an Anfänger, Fortgeschrittene und Kajakfahrer angepasst werden.
Die Hydrologischen Randbedingung und die Strömungsbedingungen für das Projekt seien ideal.

 

Neckarwelle - Riversurfen in Stuttgart
Neckarwelle - Riversurfen in Stuttgart

Die Vision

Die Vision der Gründer: Die neue Neckarwelle soll künftig das Stadtbild prägen und Stuttgart als "Stadt am Fluss" erlebbarer machen. Dabei soll das Projekt sowohl Wahrzeichen als auch Tourismusmagnet der "Surfcity Stuttgart" sein und damit Surf- und Kajakfans aus der Region anlocken. Zum Erreichen des gemeinsamen Ziels wurden schon einige Meilensteine erreicht. So erreichte der Vorschlag zum Bau der surfbaren Flusswelle beim Bürgerhaushalt im April 2017 Platz 20 von 3.457 Vorschlägen. Im Juli letzten Jahres folgte dann der einstimmige Beschluss für die Welle im Bezirksbeirat Untertürkheim. Und auch in den Sozialen Medien schlägt das Thema Wort wörtlich hohe Wellen.

Die aktuelle Lage / Stand April 2019

Am 28. März wurde durch die Bürgermeister der Stadt Stuttgart Herr Dr. Martin Schairer und Herr Peter Pätzold bekannt gegeben, dass der Bau der Surfwelle in einem Seitenarm des Neckars in Untertürkheim derzeit nicht genehmigt werden kann. Die schlechte Wasserqualität des Neckars wird hierfür als Grund angegeben. Der Badegewässerverordnung (BadegVO) entsprechend hat der Neckar aufgrund zu hoher Keimbelastung am Kraftwerkskanal keine Badewasserqualität.

Das Landesgesundheitsamt hat nachgewiesen, dass das Wasser des Neckars dauerhaft mit Krankheitserregern und Fäkalien belastet ist und somit mehrfach die zugelassenen Werte für Badegewässer überschreitet.
In der Pressemitteilung der Stadt Stuttgart vom 28. März betont Bürgermeister Schairer, dass "der Gesundheitsschutz vor sportlichem Vergnügen" steht.
Dieses Risiko wurde bei der 2018 durchgeführten Machbarkeitsstudie bereits festgestellt.
Allerdings könnten auch vorgeschlagene Schutzmaßnahmen der Neckarwelle e.V. wie die Installation von Duschen oder das Abschalten der Welle nach starken Niederschlägen das Gesundheitsrisiko nicht vollständig ausschließen.
Auf das Argument der Neckarwelle, dass schon seit Jahren andere Sportarten wie Rudern, Wasserski, Stand-up Paddeln oder Kajak fahren auf dem Neckar erlaubt seien, erwiderte die Stadt Stuttgart, dass das allgemeine Gesundheitsrisiko bei jeglichen Freizeitaktivitäten im und auf dem Neckar bestehe.

Der Verein Neckarwelle e.V. nimmt das negative Ergebnis zwar mit Verwunderung und großer Enttäuschung entgegen, geht aber weiterhin von einer Genehmigungsfähigkeit aus.
Man wolle in Ruhe beraten und jetzt umso mehr die Stellung eines Genehmigungsantrags in Betracht ziehen.

Das große Interesse der Stuttgarter an der Welle zeigt sich zuletzt beim Bürgerhaushalt 2019. Der eingereichte Projektvorschlag landete bei der Abstimmung auf Platz 1.

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